Ein Vergleich zeigt: Nirgendwo in Europa ist die in regelmäßigen Abständen vorgeschriebene Überprüfung von Fahrzeugen auf technische Mängel so teuer wie in Deutschland. Rund 150 Euro (Haupt- und Abgasuntersuchung; HU und AU) werden hierzulande fällig, während es in den meisten europäischen Ländern nicht einmal die Hälfte kostet.
In Deutschland vor einem halben Jahrhundert erfunden, gesetzlich vorgeschrieben und bundesweit implementiert, hat sich die Hauptuntersuchung, der sich alle Fahrzeuge zu Recht hierzulande alle zwei Jahre unterziehen müssen, zu einem der größten Exportschlager entwickelt – zunächst in der EU und dann in der ganzen Welt. Denn mit Sicherheit trägt die HU dazu bei, dass die Zahl der Verkehrsopfer über die Jahrzehnte drastisch gesunken ist. Allerdings hat sie in Deutschland auch einen stolzen Preis. 120 Euro (plus 30 Euro für die AU) sind ein europa‑, ja sogar ein Weltrekord. Nirgendwo sonst ist die HU so teuer wie bei uns (siehe Tabelle unten).
Dabei erfordert die HU heute erheblich weniger Manpower als noch vor Jahren. Mussten sich die Prüfer früher noch auf ihren technischen Scharfblick verlassen, verbinden sie sich heute mit dem Bordcomputer des zu prüfenden Fahrzeugs und können sofort alle sicherheitsrelevanten Daten abrufen – ein Vorgang von Minuten, wenn nicht Sekunden. Fehler müssen nicht mehr detektivisch gesucht, sondern nur noch erfasst und bewertet werden. Am Ende spukt das Laptop des Prüfers ein Prüfprotokoll aus – und das war es dann auch schon.
Der Fuhrpark Deutschlands beläuft sich rund 70 Millionen Fahrzeuge und Anhänger. Das ergibt bei durchschnittlich zweijährlicher HU-Pflicht 35 Millionen Prüfungen pro Jahr und einen Jahresumsatz der technischen Prüforganisationen von etwa 5 Milliarden Euro.
Für jede HU in Deutschland erhält die Fahrzeugsystemdaten GmbH, kurz FSD, ein Generaldienstleister für die Prüforganisationen einen Euro als Gegenleistung für Beratung, Recherche zu gesetzlichen Grundlagen und technischen Notwendigkeiten sowie die Erarbeitung der bestmöglichen Prüfungsmodalitäten, also 35 Millionen jährlich. Damit lässt sich gut arbeiten – und natürlich auch feiern. Entsprechend üppig fiel die Jubiläumsfeier zum 20. Geburtstag der FSG im Herbst dieses Jahres aus. Mit einem Etat von 500.000 Euro, 250 Mitarbeitern und 250 geladenen Gästen wurden pro Teilnehmer 1.000 Euro angesetzt. Champagner für alle!
HU-Gebühren in anderen Ländern
Staat | Gebühr | Prüfzyklus | Staat | Gebühr | Prüfzyklus |
Deutschland | 120 € | zweijährlich | Tschechien | 35–50 € | zweijährlich |
Österreich | 50–80 € | ein- bis zweijährlich | Slowakei | 35–50 € | zweijährlich |
Schweiz | 50–90 € | zweijährlich | Ungarn | 30–50 € | zweijährlich |
Frankreich | 70–100 € | zweijährlich | Rumänien | 20–40 € | zweijährlich |
Italien | 65–80 € | zweijährlich | Bulgarien | 20–30 € | jährlich |
Spanien | 40–60 € | zweijährlich (nach 10 J. jährlich) | Griechenland | 50–70 € | zweijährlich |
GB | 40–65 € | jährlich | Portugal | 30–50 € | zweijährlich (nach 8 J. jährlich) |
Niederlande | 40–60 € | ein- bis zweijährlich | Kroatien | 30–50 € | jährlich |
Belgien | 50–80 € | ein- bis zweijährlich | Serbien | 25–40 € | jährlich |
Schweden | 45–70 € | ein- bis zweijährlich | Bosnien & Herzegowina | 20–40 € | jährlich |
Norwegen | 60–100 € | zweijährlich | Slowenien | 30–50 € | jährlich |
Dänemark | 40–60 € | zweijährlich | Litauen | 25–40 € | ein- bis zweijährlich |
Finnland | 50–70 € | ein- bis zweijährlich | Lettland | 25–40 € | ein- bis zweijährlich |
Polen | 20–30 € | jährlich | Estland | 30–50 € | ein- bis zweijährlich |
Irland | ca. 55 € | ein- bis zweijährlich |